Samstag, 25. April 2009

 

Zeit

Je älter man wird, desto öfter denkt man darüber nach wieviel Zeit man noch hat, um all das zu tun, was man schon lange tun wollte. Schnell stellt man fest, dass vieles ein Wunschtraum bleiben wird, denn bei einigen Dingen macht die Gesundheit oder der Geldbeutel nicht mehr mit, denn das Eintreten ins Rentenalter ist ja, weil meist betriebsbedingt vorgezogen, infolge vorangegangener Arbeitslosigkeit, mit Rentenabschlägen verbunden. Also fallen in der Regel große Reisen weg.
Dennoch bin ich nicht traurig oder depressiv. Gerade jetzt im Frühjahr genieße ich es, mich aufs Fahrrad zu schwingen und die Natur zu genießen. Für eine Einkehr bei "Mutter Fourage"(http://www.mutter-fourage.de/index.php), um einen Latte Macchiato zu trinken, reicht das Geld immer noch und was gibt es Schöneres, als in der warmen Frühlingssonne zu sitzen, zu Lesen und auf die zahlreichen Pflanzen im Hofgarten zu schauen.
Ich bin ja vor 5 Jahren aus dem Stadtbezirk Friedrichshain hier nach Nikolassee gezogen und ich bin nach wie vor glücklich über diese Entscheidung. Man ist nach wenigen Schritten in der Natur und der nostalgische Charme des alten Westberlins hier in Zehlendorf und Wannsee hat was.
Ich fühle mich sehr wohl hier und es kommt mir so vor, als sei ich schon immer hier gewesen. Natürlich weiß ich, dass meine Lebenseinstellungen nicht immer mit den Haltungen der Menschen in dieser Gegend übereinstimmen. Aber ich komme mit vielen Menschen in Kontakt und momentan merke ich, dass sich durch die gegenwärtige Krise und Unfähigkeit der Politiker sie zu analysieren und Vernünftiges zu tun, vieles angleicht.
Neulich war ich sehr erstaunt über eine fast 83 Jahre alte Dame, die über die Volksabstimmung zum Religions- und Ethikunterricht sagte: "Ich halte Ethikunterricht für besser und geeigneter, weil mir Ethik übergreifender gedacht scheint!"
Ich habe nicht schlecht gestaunt, denn die ältere Dame ist nicht Atheistin wie ich, sondern evangelisch gebunden, aber auch mit 83 ist ihr Geist wach und sie weiß, dass Religion nicht alle errreichen kann. Na mal sehen, wie das morgen ausgeht. Wichtig ist für mich jedoch, dass, wenn es beim Ethikunterricht bleibt, ein qualitativer Sprung vollzogen werden muss, Lehrer die erforderliche Weiterbildung erhalten, um einen niveauvollen Unterricht zu gestalten.
Ansonsten verfolge ich gespannt, was in Amerika passiert. Mich freut, dass die USA und Russland wieder übers Abrüsten reden und Obama auch klar auf die Zweistaatenregelung im Blick auf Israel und Palästina setzt.
Natürlich muss er sich bei einigen Fragen konträr verhalten, z.B. bei der Frage der Bestrafung der Schuldigen für die Guantanamo-Foltermethoden. Ich denke, dass er hier darauf setzt, dass andere richten werden, der Druck durch andere ihn zum Handeln zwingt.
Mit der amerikanischen Wirtschaft wird Obama noch lange zu tun haben. Ich lese momentan die Autobiografie von Lee Iacocca (http://de.wikipedia.org/wiki/Lee_Iacocca), dem ehemaligen Präsidenten von Ford, der dort von Henry Ford II gefeuert wurde und dann zu Chrysler wechselte. Er schreibt bereits 1984 u.a.: "Wir müssen das Haushaltsdefizit und unsere Wirtschaftsprobleme bekämpfen, bevor sie uns völlig über den Kopf wachsen. Natürlich muss man zu unpopulären Maßnahmen bereit sein, wenn es darum geht, große Probleme zu lösen."
Iacocca war auch im Gespräch für die Präsidentschaftskandidatur, fühlte sich aber nicht als Politiker berufen, aber er meinte: "Die Amerikaner scheinen sich nach einem Steuermann umzusehen, der zugleich den Haushalt sanieren und dem Land den Glauben an seine Aufgabe wiedergeben kann. Die Menschen sehnen sich danach geführt zu werden. Eines Tages werden wir jemanden finden, der echte Führungsqualitäten besitzt." Obama scheint dieser Steuermann zu sein.
Wir bräuchten auch einen neuen Steuermann, aber mir scheint weder Land in Sicht noch ein Kapitän mit einer Handbreit Wasser unterm Kiel.
Monika

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