Montag, 21. April 2008
Zug der Erinnerung
Die Sonne strahlt zwar heute und dennoch fröstelt man bei dem Gedanken, dass auch von diesem Bahnhof, unweit der vielen hochherrschaftlichen Villen, Kinder nach Auschwitz deportiert wurden. Kinder, die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten, die Spielen und Lachen wollten.
Da ich ja hier nun in einem sehr geschichtsträchtigen Teil Berlins, in Berlin-Nikolassee wohne, auch unweit des Hauses der Wannseekonferenz, der Villa in der 1942 die Deportation und Ermordung der Juden durch die Nazis beschlossen wurde, war es für mich einfach ein Muss, sich hier zu erinnern.
Viele, viele Menschen hatten, wie ich, den selben Weg, und es bildete sich eine lange Schlange vor dem Zug. Ich habe über eine Stunde auf dem Bahnhof angestanden. Viele der älteren Wartenden sprachen über ihre persönlichen Erinnerungen, über Briefe ihrer Eltern oder Großeltern aus denen sie teilweise Erfahrungen aufgenommen hatten. Manche kannten Überlebende persönlich. Aus allen Worten, die ich am Rande aufschnappte, sprach jedoch die Unfassbarkeit der grausamen Geschehnisse in der Hitlerzeit.
Es waren auch viele Schulklassen mit ihren Lehrern gekommen, und engagierte Begleiter des Zuges der Erinnerung erzählten den Schülern aus dieser Zeit und von den Deportationen. Ich glaube jedoch, dass die Jugendlichen kaum noch zu erreichen sind. Die Mehrzahl von ihnen sind durch den Zug gerast, ohne auch nur eine Zeile zu lesen oder Notiz von den Bildern oder Aussagen an den Schautafeln zu nehmen.
Ich kenne auch genug Leute, die meinen, dass genug über diese Zeit geredet sei, man selber ja nicht schuldig sei, weil ja viel später geboren und dass ja irgendwann damit Schluss sein muss.
Es geht hier aber für mich, und vermutlich auch für die vielen Menschen, die hier mit mir warteten, nicht um Schuld, sondern um ein Erinnern, ein Nichtvergessen. Ich fühle mich auch nicht schuldig, aber immer wieder aufs Neue betroffen.
Ich war mit meinem Sohn, als er so zwischen 14 und 16 Jahre alt war, auf dem Ettersberg bei Weimar, um mir das KZ Buchenwald anzusehen. Ob es heute noch viele Eltern gibt, die gemeinsam mit ihren Kindern vielleicht den Zug der Erinnerung ansehen, weiß ich nicht, aber es wäre bestimmt gut.
Fassungslos ist man auch darüber, dass viele der Beamten, die in Nazideutschlands Ministerien saßen und ihre Unterschriften unter die Sammeltransporte setzten, auch nach dem Kriege hohe Posten bei der Deutschen Bahn inne hatten.
Ich gehöre zu einer Generation, die Gott sei Dank keinen Krieg erleben musste, und dafür bin ich dankbar.
Ich hoffe, dass auch die künftigen Generationen es schaffen, und sei es nur durch Erinnern, dass nie wieder Kinder beim Spielen und Lachen gestört werden.
Klara
Labels: Politik
Kommentare:
<< Startseite
Einer Negerin im Harlem-Express
Dunkles Mädchen eines fremden Stammes,
Tief im Dschungel dieser fremden Stadt,
Deiner Augen schwarzverhangner Trauer
Sagt mir, was dein Herz gelitten hat.
Immer möchte ich dich leise fragen:
Weißt du, daß wir heimlich Schwestern sind?
Du, des Kongo dunkelbraune Tochter,
Ich, Europas blasses Judenkind.
Vor der Schmach, dich zu verstecken,
schützt Dich, allen sichtbar, deine Haut,
- Vor der andern Haß, da sie entdecken,
daß sie dir – versehentlich – getraut.
(Mascha Kaléko)
Liebe Grüße
Constanze
Kommentar veröffentlichen
Dunkles Mädchen eines fremden Stammes,
Tief im Dschungel dieser fremden Stadt,
Deiner Augen schwarzverhangner Trauer
Sagt mir, was dein Herz gelitten hat.
Immer möchte ich dich leise fragen:
Weißt du, daß wir heimlich Schwestern sind?
Du, des Kongo dunkelbraune Tochter,
Ich, Europas blasses Judenkind.
Vor der Schmach, dich zu verstecken,
schützt Dich, allen sichtbar, deine Haut,
- Vor der andern Haß, da sie entdecken,
daß sie dir – versehentlich – getraut.
(Mascha Kaléko)
Liebe Grüße
Constanze
Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]
<< Startseite
Abonnieren Kommentare [Atom]
