Montag, 17. September 2007
Halluzinationen
Wenn ich von meinem Balkon schaue, der unmittelbar an die Küche grenzt, kann ich direkt auf eine riesengroße Lärche blicken. Die Zweige reichen inzwischen fast auf meinen Balkon. Im Sommer spendet der Baum Schatten und bietet natürlichen Sichtschutz zum Nachbarn gegenüber. Inzwischen haben die ausladenden Zweige aber einen Haken. Die Eichhörnchen benutzen sie als Sprungschanze auf meinen Balkon.
Neulich hatte ich über Nacht Weintrauben in einer Tüte auf dem Balkon liegen, und die Eichhörnchen haben den "Braten" natürlich sofort gerochen und nachts eine "Weinparty" gefeiert.
Nun habe ich keine Lebensmittel mehr auf dem Balkon, aber wie in jedem Jahr zum Herbst meinen Balkon mit Früchten aus Wald und Flur dekoriert. Auch das gefällt meinen kleinen Freunden. Sie fressen nun nachts die Eicheln und Beeren, und mein Balkon sieht früh aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.
Unbedingt wollte ich nachts mal wissen, wie es auf einer Eichhörnchen-Party zugeht. So bin ich nachts gegen zwei Uhr aus meinem Bett raus geschlichen, um eventuell die possierlichen Tierchen auf frischer Tat zu ertappen.
Siehe da, durch meine Küchenfenstertür blinkten mich zwei rot funkelnde Augen an. Aha, dachte ich, nun habe ich den Täter endlich erwischt! Nur merkwürdig kam mir vor, dass das Tierchen völlig ruhig da saß, und gar nicht bemerkte, dass ich es beobachtete.
Ich bin dann erst einmal vor Schreck auf die Toilette gegangen. Dann wieder zurück in die Küche. Das vermeintliche Tier saß immer noch am selben Fleck.
Also provozierte ich, und klopfte an die Scheibe. Nichts passierte. Die Augen leuchteten weiter.
Mein Blick ging in meiner dunklen Küche auf einmal weit nach links , und nun wurde mir schlagartig alles klar. Die Standby-Leuchten meines Fernsehers spiegelten sich unterstützt vom Mondlicht und einer Straßenlaterne in der Fensterscheibe und von dort auf einen grünen Blumentopf auf dem Balkon.
Ich musste mitten in der Nacht schallend lachen! Es sah so täuschend echt aus, und ich hatte ja geradezu auf meine Eichhörnchen gewartet, so dass die Halluzination perfekt war.
Nun werden nachts alle Dekoelemente wie Beeren und Früchte des Waldes eingeräumt, und die Eichhörnchen haben nichts mehr so richtig zum Feiern. Denn da waren sie wieder, nur gesehen habe ich sie bisher wirklich nicht.
KlaraLabels: Was sonst so passierte
Kommentare:
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Hallo Klara,
eine nette Geschichte mit einem niedlichen Foto; es zeigt sich auch wieder mal, daß wir, wenn wir etwas Bestimmtes zu sehen erwarten, uns unser Gehirn vorgaukelt, was wir zu sehen wünschen. Hinterher sind wir dann erstaunt, was sich da an Realem entpuppt. So wurde aus den gewünschten Eichhörnchenaugen die gespiegelten Augen der Standby-Funktion. Eiderdauß. Was wir wohl im Leben sonst noch so alles "phantasieren", was nicht der Realität entspricht?
Liebe Grüsse
Constanze
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eine nette Geschichte mit einem niedlichen Foto; es zeigt sich auch wieder mal, daß wir, wenn wir etwas Bestimmtes zu sehen erwarten, uns unser Gehirn vorgaukelt, was wir zu sehen wünschen. Hinterher sind wir dann erstaunt, was sich da an Realem entpuppt. So wurde aus den gewünschten Eichhörnchenaugen die gespiegelten Augen der Standby-Funktion. Eiderdauß. Was wir wohl im Leben sonst noch so alles "phantasieren", was nicht der Realität entspricht?
Liebe Grüsse
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