Samstag, 15. März 2008

 

Lesen und Mahler hören


Angeregt von den vielen Rezensionen von der Leipziger Buchmesse, die man entweder über Kulturradio oder im Fernsehen verfolgen kann, möchte ich mich heute über das Lesen an sich äußern.
Lesen ist für mich ein Eintauchen in eine andere Welt. Am Liebsten lese ich Biografien. Man begibt sich mit den Personen in eine andere Zeit, die einem sonst verborgen geblieben wäre. Man erfährt viel über Menschen und kann Geschichte besser verstehen.
Für mich scheinen die Porträtierten in dem Moment, in dem ich über sie lese, zu leben. Da ich mich meist abends vor dem Einschlafen für eine Stunde in meine Bücher vertiefe, freue ich mich dann schon jeden Abend auf die Begegnung mit ihnen und ihren Zeitgenossen. Es scheint mir so, als kenne ich sie schon lange und gehe zu ihnen zu Besuch.
Ich versuche mich in ihr Leben hinein zu versetzen, überlege was ich an ihrer Stelle getan hätte, denke über deren Haltung nach und versuche alles in Bezug auf die Epoche, in der sie lebten, zu verstehen.
Durch die “Capote-Biografie” von Gerald Clarke (http://de.wikepedia.org/wiki/Truman_Capote) ist mir auch Capotes Roman “Kaltblütig” und sein Erstlingswerk “Sommerdiebe” in die Hände gefallen, und wer kennt nicht den berühmten Film mit Audrey Hepburn “Frühstück bei Tiffanys“.
Vor kurzem habe ich die Biografie “Witwe im Wahn” von Oliver Hilmes über Alma Mahler-Werfel (http://www.netzeitung.de/buecher/biografien/292497.html) gelesen. Das Buch stand auf der Spiegel-Bestseller Liste und beschreibt das Leben der Witwe von Gustav Mahler und Franz Werfel. Zwischenzeitlich war sie auch Frau des Architekten Walter Gropius und Geliebte des Malers Oscar Kokoschka, also eine “Femme Fatale” der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (http://www.alma-mahler.at/deutsch/almas_life.html ). Eine sehr widersprüchliche Frau, aber dennoch ein Leben, das durch ihre Bekanntschaft mit den Prominenten ihrer Zeit, unheimlich spannend ist. Man bewundert sie einerseits und ist auch teilweise abgestoßen von ihrem Antisemitismus, mit dem sie ihren eigenen jüdischen Ehemann quält.
Beim Lesen ist mir dann auch aufgefallen, dass ich noch nie bewusst Musik von Gustav Mahler gehört habe. Also bin ich heute in Schleichers Buchhandlung nach Dahlem gefahren und habe mir Mahlers 6. Sinfonie(http://de.wikepedia.orgwiki/6._Sinfonie_%28Mahler%29) gespielt von den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle in einer Aufführung aus dem Jahr 1987 auf CD gekauft.
Ich habe sie dann gleich zuhause abgespielt und bin begeistert. Nun werde ich sehen, wann es demnächst ein Mahler-Konzert in der Philharmonie oder dem Konzerthaus Berlin gibt.
Die Literatur hat mir in diesem Fall einen weiteren Genuss verschafft, in dem sie mich dazu gebracht hat, mein Wissen zu klassischer Musik zu erweitern.
Klara

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Kommentare:
Liebe Klara,

hmm, ein beginnender Mahler-Fan. Ich kann Dir gerne meine Gesamtausgabe der Mahler-Sinfonien leihen. Für mich die Schönste ist die 5. Sinfonie. (Wiederhören in "Hanna"). Entdecke gerade viele Gemeinsamkeiten. Bin beim Lesen der Biographie über Alma Mahler des öfteren mal in die Luft gegangen und zwar wegen ihres dümmlichen Antisemitismus. Andererseits stimmt es natürlich, daß sie als Frau von den Herren Mahler und Co. auch eher als "Muse" gesehen wurde denn als Frau mit eigenen Bedürfnissen. Typisch eben für die damalige Sicht der Männer auf Frauen. Falls es Dich interessiert, hätte ich Dir ein Buch anzubieten von Norman Lebrecht "Gustav Mahler - Erinnerungen seiner Zeitgenossen". Dort sind Briefe, Artikel und andersartige Stellungnahmen wie beispielsweise von Romain Rolland, Tschaikowsky, Sigmund Freud, Hugo von Hoffmannsthal etc. Bei Interesse einfach nachfragen. Liebe Grüsse C.
 
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