Sonntag, 22. Juli 2007

 

70. Geburtstag von Nachbarin Ingrid

Wenn man 70. Jahre wird, hat man ganz schön was auszuhalten! Da stehen doch die Kinder und Nachbarn schon um 07:30 Uhr vor der Tür und singen "Happy Birthday" und man muss vor dem Frühstück mit Sekt anstoßen!Nachbarin Ingrid war zu Tränen gerührt, aber sie hat dann doch schnell wieder gelacht, ob der vielen guten Wünsche, die ihr zuteil wurden. Am späten Nachmittag traf sich die ganze Geburtstagsgesellschaft in Ingrids Garten. Das Wetter war wunderschön, und die aufgebauten Zelte, die eigentlich vor Regen schützen sollten, spendeten Schatten.Damit Ingrid nicht bereits vor ihrem Geburtstag in die Knie geht, hatte jeder ein bisschen beim Kochen und Backen geholfen. Das führte dazu, dass der Salat für die ganze Wohnsiedlung gereicht hätte, weil jeder glaubte, eine große Hungersnot würde sich ankündigen.

Es wurde viel gelacht, denn wir hatten uns natürlich auch ein kleines Programm ausgedacht. Als erstes wurde die Festverordnung vorgelesen.

Ingrid wurde in den Kreis der "Alten Schachteln" aufgenommen, es gab eine Tombola mit kuriosen Präsenten. Bei einem Märchenquiz konnten u.a. "Eine komplette Jagdausrüstung"(Fliegenklatsche) und "Eine turbulente Nacht"(ein kleines Fläschchen Rhizinusöl) gewonnen werden. Ein Päckchen für das Geburtstagskind musste durch Weiterreichen wandern, bis es die Adressatin behalten durfte. Dabei wurden der Herr mit der größten Nase, dem größten Bauch und der schönsten Glatze, der größte Herr und die Frau mit dem schönsten Kleid, der schönsten Frisur und den schönsten Augen ausgewählt. Na, der Spaß war groß!

Die Heiterkeit wurde nach dem Essen von Gegrilltem und den Bergen von Salat in allen Variationen, von Kartoffelsalat mit und ohne Mayonnaise, Nudelsalat bis hin zu Tabouleh, noch gesteigert. Es galt alte Zeitungsüberschriften wie: "Der letzte Sommer des Patriarchen" oder "Richtig reagieren, wenn es brenzlig wird" mit dem Nachsatz - "unter meinem Hemd" zu versehen. Das war wieder einmal der eindeutige Beweis, dass ein bisschen Erotic auch mit zunehmendem Alter Freude bringt, zumindest, wenn man drüber redet.
Mein Sohn hat sich mit Nachbarstochter Carola dann noch als Sketchpärchen versucht und mit verteilten Rollen 2 lustige Begebenheiten aus dem Arzt - Patient - Leben vorgetragen.

So ging ein lang geplanter Tag zur Freude aller vorüber. Das Geburtstagskind war zufrieden und glücklich.
Wenn nur am nächsten Tag nicht das Aufräumen wär! Aber, wie sagte meine Oma schon:"Viele fleißige Hände machen der Arbeit schnell ein Ende"! Alle halfen mit und im Nu war der Garten wieder in Ordnung.

Noch eine Anmerkung: Seit zweieinhalb Jahren wohne ich nun in Nikolassee in einer Gagfah-Siedlung. Mein Sohn war hier kurz nach der Wende eingezogen. Er fühlte sich von Anfang an wohl! Das ganze Haus ist wie eine große Familie! Im Osten hätten wir gesagt: "Hier lebt eine sozialistische Hausgemeinschaft!" Das es so etwas in Zehlendorf gibt, hätte ich nicht gedacht. Hier hilft jeder jedem und auch Ingrids Gartennachbarn sind reizende Leute. Es gibt also auch heute noch Zusammenhalt, man muss es nur wollen.

Klara

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